07.07.2018 > Die Bilder von Bietigheim und Germares sind online / Nächstes Lager am 14.-15.07. in Weinheim <

Von Anna Becker

Ketsch. Mit einer hölzernen Nadel die Wolle zu einer Mütze verarbeiten? Das mag Handarbeit sein, wie man sie noch von der Großmutter kennt. Doch ein eigenes Seil winden? Die Schuhe von Hand nähen? Dagmar Gaa vom "Hof" in Ketsch muss schmunzeln: Ja, die Welt des Mittelalters hatte viele Fallstricke und nur wenige Supermärkte und Fachgeschäfte, wo sich flugs die benötigte Ware holen lässt. In viele Lagen Kleidungsstücke, die nach historischem Vorbild aus Wolle und Leinen oder gar Brennnesseln hergestellt wurden, ließ sie sich an den langen Holztischen im Lager zu Bruch nieder. Dennoch: Das Leben hier macht Spaß! Auch wenn es nur drei Tage dauerte, "Der Hof" aus dem Speyerer Umland hatte zum ersten Frühlingslager für die Mittelaltergruppen der Region eingeladen.

Gemeinsam Vergangenheit erleben

Für sie alle stand im Laufe des drei Tage dauernden Lagers die Freundschaft im Vordergrund: Gemeinsam die Welt der Vergangenheit erleben und mitten drin sein. Gemeinsam singen und musizieren, Rezepte und Erfahrungen austauschen und dazu noch alte Handwerkstechniken erproben. Dass ein Nachbau eines Wikingerschiffes mit von der Partie war, freute insbesondere die Kinder im Lager.

Und selbst für jene, die nur Lagerluft schnuppern wollten, gab es Übernachtungsmöglichkeiten, denn ein Lagerhotel erfüllte diese Herzenswünsche ohne Probleme. Neben dem "Hof" und den Karlsruher Schwertkämpfern waren noch einige andere Gruppen ins Bruch gereist, um auf Holzfeuern zu kochen, auf Fellen zu schlafen und in Leinen und Wolle gekleidet die Welt zu entdecken.

"Und das macht riesig Spaß", strahlte Claudia Butscher, die mit Gefährten Ulli Handel und Söhnchen Lars, drei Monate alt, ins Mittelalter abtauchte. Einzig das Nachtlager, das hatte die junge Mutter lieber im eigenen Ketscher Zuhause aufgeschlagen - des Nachwuchses und der kalten Temperaturen wegen.

Die drei Tage aber genossen alle: Vom Söldner bis zur Magd, vom einladenden Earl of Thanet bis zum ihm die Ehre erweisenden Barbaren und wilden Schotten, die ebenfalls ihre Zelte aufschlugen und sich dem Leben vor vielen Jahrhunderten annäherten.

Dass es dabei sogar kulinarisch in die alte Welt ging, bereitete den Mittelalterfreunden übrigens keine Probleme, denn mit Salbeihühnchen, Hase, Pastinakenplätzchen und Würzwein konnten sie gekonnt die Teller füllen.