18.09.2018 > Nächstes Lager am 06.-07.10 in Linkenheim Heinrichs Wunschlager <

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Mittelaltermarkt:

Zweitägiges Spektakel auf dem Sportplatz bietet Genuss für alle Sinne

Eine richtig heiße Show

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Zeuner

Oftersheim. Dudelsackmusik erklingt, Feuerzungen lecken an fetten Fleischspießen. Würziger Duft dringt aus der Bäckerei, raue Gesellen prosten sich herb zu, dass die tönernen Krüge zu zerschellen drohen. Mit beschwörender Stimme erklärt eine mystische Frauengestalt aus den Handlinien die Zukunft. Mittendrin im Mittelaltermarkt des Vereins "Signum libere Suezzingen" sind alle Sinne gefordert, sucht das Auge einen Ort zum Verweilen.

Kinder springen durch die kühlende Wasserwand bei der Feldbäckerei, in der Nähe webt Ines Rosenthal eine zweifarbige Borte, deren Fäden an Karten fixiert sind - hier ist die Zeit vor rund 1500 Jahren stehengeblieben - nicht nur rein optisch. Das grobe Leinenhemd bewegt sich locker um den drahtigen Körper von Thomas Plum, der derwischartig um einen Musikus herumhüpft. Spielmann Svend von den Goselagerern soll hellsichtig gemacht werden.

Klar schafft Thomas das, ist er doch Met-Tavernen-Wirt und Gaukler aus Passion. "Trinkt aus mein Freund", dann schließt der tapfere Recke Svend die Augen. Ein Trichter aus Metall wird ihm übergestülpt, durch dessen Bodenloch sollen Weisheit und Wahrsagekraft fließen. Wie Rumpelstilzchen ums Feuer umtänzelt ihn Thomas, laut ruft er: "Was hamma denn da in der Hand", fordert unterm Gelächter der Umstehenden Svend auf, zu sagen, was er vorm geistigen Auge sieht. "Einen Hammer", tönt es blechern und der Beweis der Wahrsagerei ist erbracht.

Spontaneinlagen begeistern

Spontaneinlagen lockern das Leben im eher als düster bekannten Mittealter auf, auch heuer in Oftersheim, wo sich am Wochenende 15 Sippen niedergelassen haben. Wanderndes Volk sorgt für Kurzweil, Handel, Wein und Gesang, vom Weib ganz zu schweigen, denn geschmeidige Körper bewegen sich zu später Stunde schlangenhaft zu betörenden Melodien. Ritter rüsten sich zum Kampf mit schweren Schwertern, die auf massive Schilde aus Holz donnern.

Der Nachwuchs springt ins Märchenzelt und lauscht gebannt den schaurigen Mähren von Vivian Grögeder. Von deren Phantasie beflügelt geht es hinaus aufs Wikingerschiff, dem besten Spielplatz für kleine Krieger. Vor Anker liegt das Prachtexemplar direkt zwischen dem Lager der Oftersheimer Krieger der Steppe und Feuerplanet, den Jongleuren, die mit dem Feuer spielen. Noch machen sie Trockenübungen mit kunterbunten Pois. Diese Bälle am Ende langer Stoffbahnen werden später brennende Lichtbilder in die schwarze Nacht zeichnen.

Ehe nach heidnischem Brauch

Davor jedoch findet ein besonderes Ritual statt: Bei der Sippe der Oger im Lager der Steppenkrieger wird zum zweiten Mal der Bund der Ehe besiegelt - nach heidnischem Brauch. Priester "Baldur" reinigt mit einer speziellen Weihrauchmischung den inneren Kreis, den Ort des Ritus. Familie und Freunde dürfen eintreten, das Brautpaar Sabine "Biba" und Karl-Heinz "Yul" kommen dazu. Viele Fragen nach ihrem bisherigen gemeinsamen Weg müssen sie wahrheitsgemäß beantworten, damit das rote Band, das Freunde angefertigt haben und ihre Hände im "Handfasting" umschlingt, für immer halten möge. "Es ist Symbol für eure Verbindung", tönt Baldur und zeigt das Messer, das nun eigentlich die Haut beider Hände anritzen und dafür sorgen soll, dass Blut den Bund besiegelt. Selbstredend deutet der Priester das nur an.

Als Krönung folgt ein immenses Feuerspektakel im Einbruch der Dunkelheit. Knisternd stieben die Funken von den Geräten der neun Akteure. In einer faszinierenden Choreografie setzen sie Akzente, speien Feuer im Takt zur Musik, lassen die Feuerpois atemberaubend schnell und dicht nebeneinander kreisen. Ein Bild lodernder Flammen im Einheitstakt wird gemalt, die Hitze wabert über die Köpfe der vielen Zuschauer, die heftig applaudieren.

In der ersten Reihe haben sich Melanie und Petra niedergelassen: "Eigentlich haben wir uns nur so verabredet, wollten ein wenig spazieren gehen", dann seien sie auf dem Markt gelandet, den sie mit der Feuershow "einfach prima" finden. Peter Schramm, zweiter Vorsitzender des "Signum libere Suezzingen", zeigt sich zufrieden mit den beiden Gelage-Tagen, wobei er anmerkt, dass weder der Regen bei der Premiere in Oftersheim im vergangenen Jahr noch die diesjährige Hitze dem Besucherstrom zuträglich waren: "Die vielen Spontanaktionen, das breite Angebot an Holzwaffen, Essen und Trinken, Schmuck und Ausstaffierung für Mittelalterfans passten hervorragend in den gewünschten familiären Rahmen."

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 14.07.2015