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Ein ganz lebendiges Mittelalter

Von Bernhard Haas

Im Mannheimer Herzogenriedpark tummeln sich die Freunde des Mittelalters. Unter vielen Gleichgesinnten werden Gewürze, Gewebe und Geschmeide ausgetauscht.

 

Bunt ist er allemal: der Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark.

© Markus Prosswitz / masterpress

Ein wenig verfroren schaut Christian Flögel drein. Der "Krieger der Steppe", wie sich die Gruppe aus Oftersheim nennt, hat die Nacht über im Herzogenriedpark im Zelt verbracht. "Gegen früh war es ein wenig frisch. Aber da ,mummelt' man sich ins Lammfell ein. Da wird es einem gleich wieder warm." Der Bauernherold ist einer von vielen, die im Herzogenriedpark übernachtet haben. Allen gemeinsam ist: Sie stammen aus dem Mittelalter.

Egal, ob Groß oder Klein - die schönen Seiten dieser Zeit leben weiter. Und wenn es auf Mittelalter-Jahrmarkt im Herzogenriedpark ist. Zwischen Gauklern, Edelfräulein und Kurfürsten bewegt sich das "gemeine Volk" zuhauf - meist Kinderwagen schiebend. Gestaunt wird über Tontöpfer, Lederer, Gewandschneiderinnen, Seifensieder, Hornschnitzer oder Buchdrucker. Überall darf einem altehrwürdigen Handwerker über die Schultern geschaut werden. Schuster Paul Kirnsberger berichtet über die Technik im 13. Jahrhundert: "Das Leder wurde auf der falschen Seite zusammengenäht und anschließend gewendet. So sah man die Naht an den Schuhen nicht." Bei ihm ist unter anderem der handgefertigte Nachbau des Schuhs einer Äbtissin aus dem Kloster Lorsch zu haben."Wir sind zum ersten Mal auf einem solchen Markt. Die Kinder sind zufrieden, das Essen schmeckt. Was will man mehr", freut sich ein Ehepaar aus Ladenburg, während die Kinder in einen etwas zu groß geratenen gefüllten Hanfcrêpe hineinbeißen. Überhaupt fallen viele Stände auf, an denen es zu essen oder zu trinken gibt. Das kommt bei den Besuchern der Neuzeit gut an. Schon von weitem locken die Düfte zu Deftigem oder Süßem."Das schmeckt prima", weiß die siebenjährige Svenja und beißt in einen süßen "Baumstriezel". Der jungen Dame in mittelalterlichem Gewande ist am Mund abzulesen, dass es ihr schmeckt. Bäcker Oliver Langer erzählt: "Baumstriezel ist eine Spezialität aus Siebenbürgen, die es einst nur an Festtagen gab. Es war aufwendig, mit Holz diese Spezialität zuzubereiten. Heute benutzen wir Elektroöfen."Erik Kohl aus Brühl schaut sich das bunte Treiben einer längst vergangenen Zeit gerne an und meint: "Das ist einfach schön." Beeindruckend finde er, wie detailgetreu die Gewänder geschnitten seien. "Schon als Kind hatte ich Interessen am Mittelalter. Damals haben wir Ritter gespielt", erzählt der Highlander Crisdean Mac Lacy. Wie Schotten des 15. Jahrhunderts gekleidet wandeln sie über den Markt. Lillidth Mac Lacy, Lady of Kerry, ergänzt: "Irgendwann haben wir Mittelaltermärkte besucht und wollten auf einmal ebenfalls dabei mitmachen. Und in einer Gruppe macht es doch noch mehr Spaß, die Zeit in Erinnerung zu behalten."Unterdessen heizen die Spielleute von "Liudon Incorruptus" mit Dudelsack, Rauschpfeife und Trommeln mächtig ein. Dem begeisterten Publikum raten sie: "Tanzt, lacht, saufet und fühlt euch wohl."Der Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark ist heute noch von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro. Dauerkarteninhaber und Gewandete bezahlen 3 Euro, Kinder bis zu Schwerthöhe haben freien Eintritt.

Sonntag, 16.03.2014